25.09.2011

Jonas

Auf das Filmprojekt "Jonas" war ist sehr gespannt. Die Idee war es, die Kunstfigur Jonas in eine echte Schule, mit echten Schülern und Lehrern zu schicken und dann den Schulalltag zu bestreiten. Durchgeführt wurde dieses Projekt an der Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau. Am Anfang ist zwar noch deutlich zu spüren, dass es sich bei Jonas um eine Kunstfigur handelt, die Schüler sind unsicher wie mit dem neuen Mitschüler umzugehen ist, die Kamera hemmt noch ein wenig. Wenn der Film dann aber mal die Fahrt aufgenommen hat, entwickelt sich eine faszinierende Geschichte. Schlussendlich wurde aus 350 Stunden Rohmaterial der Film geschnitten. Gemäss den Machern gab es kein Drehbuch, keine einstudierten Dialoge, gefilmt wurde einfach in der Schule. Einzig 3 Ankerpunkte wurden vorher festgelegt: Jonas verliebt sich in seine Musiklehrerin, er will eine Band gründen und er will die Probezeit bestehen.

Jonas ist mit 18 Jahren der älteste Schüler der Klasse, etwas vorlaut, immer mit etwas kontra und einem flotten Spruch auf der Lippe. Wenn mit der Zeit Schüler und auch die Lehrer zu vergessen scheinen, dass ich hinter Jonas der 35jährige Christian Ulmen versteckt, ist herrlich zu sehen. Der Mathelehrer schikaniert ihn durch das Vorrechnen an der Tafel, keine Scheu ihm dann auch die Meinung zu sagen.

Das Projekt zeigt denn aber auch seine Grenzen auf: Durch die Konzentration auf die Schule, kratzt der Film nur an der Oberfläche, Jonas als Figur bleibt unnahbar, Bilder ausserhalb des Schulkontextes gibt es keine. Dadurch dass der Film am Anfang quasi per Texteinblendung erklärt wird, wird dem Zuschauer gleich von Anfang an die Illusion genommen. Ich hätte es schöner gefunden die Einführung auch filmisch umzusetzen. Insgesamt finde ich das Experiment aber sehr gelungen.

Sehr unterhaltsamer, schneller Film über den (Alb-) Traum wieder in die Schule zu gehen.



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